Wählen mit 16 ist nicht zu früh
Das letzte Wochenende habe ich als Delegierte auf dem Bundesparteitag der Linken in Bielefeld verbracht. Dort hat sich Gregor Gysi aus der „ersten Reihe der Politik“, wie er es nennt, verabschiedet. In einer sehr persönlichen und emotionalen Abschiedsrede kündigte er an, er werde im November nicht erneut für den Fraktionsvorsitz im Deutschen Bundestag kandidieren, sondern möchte die Arbeit nunmehr in „jüngere Hände“ legen. Dass damit auch eine Ära zu Ende geht, sehen nicht nur wir als Linke so, aber zum Glück ist er ja ab November nicht gänzlich weg und wird uns in der Partei sowieso erhalten bleiben.
In Thüringen hat die Landesregierung zwei Gesetzesentwürfe vorgelegt, die das Wahlalter auf 16 senken. Diese werden bereits nächste Woche im Plenum behandelt. Ich selbst habe als 16jährige in Sachsen- Anhalt damals das erste Mal bei einer Kommunalwahl mitbestimmen dürfen und finde es keineswegs zu früh. Ich höre immer das Argument, mit 16 sei Mensch noch zu jung, um weitreichende Entscheidungen zu treffen. Diese Aussage empfinde ich als absoluten Hohn, wenn man bedenkt, dass mit 16 oft auch schon das ganze Leben betreffende Entscheidungen abverlangt werden, so zum Beispiel die Wahl eines Berufes. Ich finde wirklich, wir sollten aufhören Jugendliche zu unterschätzen und sie in ihren Entscheidungen und Bedürfnissen auch endlich ernst nehmen! Ein Wahlrecht gehört für mich unabdingbar dazu!
Das Wahlalter 16 für die kommunale Ebene wird durch die Koalitionsmehrheit getragen und verabschiedet werden. Für das Wahlrecht mit 16 bei Landtagswahlen bedarf es aber einer Änderung der Verfassung, weswegen auch die Stimmen der CDU nötig sind, die sich immer vehement dagegen gewehrt hat. Schauen wir also mal.
Übrigens: am Samstag, den 13. Juni ist Tag der offenen Tür im Landtag. Eine herzliche Einladung an alle Interessierten. Ich selbst bin natürlich auch vor Ort. Vielleicht sehen wir uns?
